
Nach dem letzten Ton entlud sich der Applaus minutenlang in heftiger Energie. Er bestätigte Michael Böttcher, dem Heinrich-Schütz-Chor, den Solisten sowie dem Württembergischen Kammerorchester, dass das alttestamentarische Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy tiefen Eindruck hinterlassen hat.
Böttchers impulsive Körpersprache beim Dirigat hatte den Eindruck erweckt, hier bearbeite ein musikalischer Bildhauer mit größter schöpferischer Leidenschaft ein Monumentalwerk. Das stimmte, denn das grandiose Klanggebäude war geprägt von der bestechenden Sprachkultur und flexiblen Dynamik des Chores, den sorgfältig gebotenen Gesängen der Solisten und dem makellosen Musizieren des Kammerorchesters.
Am Anfang des Oratoriums steht der Fluch des Elias: "So wahr der Herr, der Gott Israels lebet, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn". Die Ernährungsgrundlage des Volkes verschlechterte sich somit rapide.
Ließ schon die düstere, dramatisch gesteigerte Ouvertüre die nahende Umweltkatastrophe ahnen, so schildert das Chor-Rezitativ schonungslos den Schrecken der Dürre: "Die Tiefe ist versieget! Und die Ströme sind vertrocknet! Dem Säugling klebt die Zunge am Gaumen vor Durst."
In einem scharf akzentuierten Chorsatz rebelliert das Volk, behauptet von Gott: "Er spottet unser!" Die nächsten Szenen des Oratoriums steigern weiter die Bildkraft der Komposition.
Zu den schönsten Eindrücken des ersten Teils gehört das kantable Doppelquartett der Engel: "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen." Der milde Pianogesang schien echten Engelszungen entstiegen zu sein. Spannung steckte in der Begegnung des Elias (Patrick Pobeschin) mit der Witwe, die den Tod ihres Sohnes beklagt.
Pobeschins warm-fülliger Bass verleiht der Wiedererweckungs-Szene väterliche Güte. Angesichts ihres lebendigen Sohnes jubelt die Sopranistin Petra Labitzke (Witwe). Starke Dramatik enthält der Bericht über das Feuer, das quasi als Gottesurteil den Baal als Götzen entlarvt. Spannung durchzog das Flehen des Elias nach erlösendem Regen.
Die intonationssicheren Gesänge der Solisten, ob nun im Solo oder in Quartettform, erzielten stets erstklassige Homogenität. Gabriele May, Alt (Königin, Engel) überzeugte mit emotionaler Tonfärbung und stimmlicher Differenziertheit. Wohl timbrierten Ausdruck bot Tenor Julius Pfeifer (Obadjah, Ahab) Patrick Pobeschin glänzte mit weichem, ausdrucksintensiven Bass, Sopranistin Petra Labitzke (Witwe, Engel) steigerte im zweiten Teil ihren Gesang.
Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn spielte mit gewohnt elitärer Tongebung und dynamischer Klanggestaltung. Der "Elias" unter Michael Böttchers Leitung war ein kulturelles Ereignis gewesen. Sein Nachwirken auf dem Heimweg wurde auch durch die offen stehende Schranke in der Tiefgarage begünstigt, die ein zügiges Abfahren der Autos ermöglichte. Dafür ein herzliches "Danke!" So könnte es immer sein.